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-   -   Beispiele für Feuchteschäden aufgrund von Luftleckagen (http://www.luftdicht-forum.de/showthread.php?t=1205)

C. Burkhardt 03.12.2016 19:47

Beispiele für Feuchteschäden aufgrund von Luftleckagen
 
Kürzlich wurde ich mal wieder gefragt, was denn passieren könne, wenn kein Blower-Door-Test während der Bauphase durchgeführt wird.

Die Antwort hierauf ist an sich, dass unter ungünstigen Umständen Feuchteschäden auftreten können, also wenn die Leckage groß genug ist, die passende hohe Luftfeuchtigkeit im Raum vorhanden ist und die passenden niedrigen Außentemperaturen gegeben sind.
Zusätzlich finde ich es immer schön, hierfür Beispiele aus der Praxis nennen zu können.

Welche Beispiele für Feuchteschäden habt Ihr so aus der Praxis?


C. Burkhardt 03.12.2016 20:36

Beispiel 1
 
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Ich möchte auch gleich selbst ein "schönes" Beispiel nennen:

Beschreibung zum Gebäude:
  • Gebäude aus den 1960ern / 70ern.
  • Das niedrige Dachgeschoss wurde abgerissen und anschließend wurde ein höheres Dachgeschoss mit Ziegeln neu errichtet.
  • Galerien in den DG-Zimmern aus einer Holzbalkenkonstruktion.
  • Dämmung der Außenwände mit einem Wärmedämmverbundsystem, durchgehend vom EG bis zum DG.
  • Keine mechanische Lüftung.
  • Luftwechselzahl gemessen n50 = 1,5 1/h.

Problematik:

Im Winter bei kalten Temperaturen wird auf der Giebelseite die Mehrschicht-Holzplatte am Dachrand dunkel.
Siehe Bild im Anhang.


Erklärung hierfür:

Die größten Leckagen bestehen im Bereich der Galerien im Dachgeschoss. Siehe Bild im Anhang.
Hinter den Holzbalkenkonstruktionen sind die Giebelwände und Innenwände unverputzt. Warme feuchte Luft strömt hinter die Holzbalkenkonstruktion, durch offene Fugen zwischen den Ziegeln in die Wand und in der Ziegelwand nach oben und / oder hinter der Dämmung nach oben.

Am Dachrand kühlt die warme feuchte Luft aus den Ziegelwänden dann ab und es kondensiert Feuchtigkeit aus.

Die Bewohner haben auch angegeben, dass in der Vergangenheit im DG die Fensterlüftung vernachlässigt wurde, was sicher auch noch zur Problematik beitrug.

Schrödingers Katze 05.12.2016 11:15

Hatte eben einen ähnlichen Fall im Neubau (2 Doppelhäuser, baugleich, Bauträger)......

Schrödingers Katze 05.12.2016 11:22

"selbstkompostierendes" Dach
 
zum Glück selten, auch nicht allein der mangelhaften Luftdichtheit geschuldet:
DHH, Flachdach, Vollsparrendämmung ohne Übersparrendämmung, 90er Jahre.
Es wurde (richtigerweise) eine 1500 m Dampfsperre verbaut, das Einzige, was eine solche Konstruktion überhaupt ermöglicht. BDT wurde durchgeführt, allerdings erfolgten danach noch Installationsarbeiten. Ein brauchbares Leckageprotokoll gibt es ebenfalls nicht, der Bauleiter befand sich offenbar im Winterschlaf! :eek: Nach ersten feuchten Stellen innen wurde das Dach teilweise geöffnet: Dämmung war naß, Sparren bereits erheblich angegriffen. Also genau der Fall, der kürzlich in der Zeitschrift "Der Bau-SV" unter oben genanntem Titel beschrieben wurde.....

H. Trauernicht 23.12.2016 09:55

Hier ein Beispiel für einen Feuchteschaden infolge einer undichten Bodenklappe:


Alexander Kiss 02.01.2017 12:24

Forschungsbericht Leckagebewertung
 
Hallo Zusammen,

kürzlich wurde ein Forschungsbericht zur Bewertung von Fehlstellen in der Luftdichtheitsebene veröffentlicht, welcher auch einige Beispiele für Folgeschäden enthält. Da der Forschungsbericht von der Forschungsinitiative Zukunft Bau des Bundes gefördert wurde, kann dieser kostenlos bei den beteiligten Institutionen heruntergeladen werden. Hier ein Link zum Herunterladen über den Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB e.V.):

http://www.flib.de/publikationen/forschungsbericht/FLiB_Forschungsbericht_2016.pdf

Die weiteren Kooperationspartner sind das Aachener Institut für Bauschadensforschung und angewandte Bauphysik (AIBau gGmbH) und das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (Fraunhofer IBP).

Die BlowerDoor GmbH hat sich durch fachliche Beratung und Kostenübernahme an diesem Projekt beteiligt.


Für Rückfragen stehe ich sehr gerne zur Verfügung: kiss@blowerdoor.de

C. Burkhardt 02.01.2017 14:20

Hallo Herr Kiss,

vielen Dank für den Beitrag! Dies ist wirklich ein guter Bericht geworden.

Insbesondere auch den rechtlichen Beitrag finde ich sehr interessant. Meiner Einschätzung nach tun sich in Sachen Luftdichtheit selbst Rechtsanwälte bislang noch oftmals schwer, da es noch nicht so viele Urteile hierzu gibt.


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